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Nachleben - Der Forum-Fortsetzungsroman
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Thema: Nachleben - Der Forum-Fortsetzungsroman (Gelesen 8277 mal)
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timo
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Beiträge: 241
Nachleben - Der Forum-Fortsetzungsroman
«
am:
03.April 2006, 16:06 »
Den folgende Geschichte habe ich vor einer Weile geschrieben. Im Moment weiß ich nicht recht wie es weitergehen soll.
Aber ich halte sie perfekt für ein Experiment. Jeder, der eine Idee hat, wie es weitergehen soll, kann einen eigenen Kapitel schreiben und wenn wir viele viele Kapitel zusammen haben, fassen wir diese zu einem Roman zusammen.
Es gibt nur folgende Regeln:
1. Wer einen Kapitel schreibt, sollte sich wenigstens die Mühe gemacht haben, die Ausgangsgeschichte gelesen zu haben!
2. Der Name des Erzählers wird nie erwähnt.
3. Die Geschichte spielt in der Gegenwart.
[Also keine Science-Fiction-Kapitel, die tausend Jahre in der Zukunft spielen. Etwas müssen wir uns auch noch für die Fortsetzung aufheben ;-) ]
4. Aktuelle politische Geschehnisse sollten nicht aufgegriffen werden. Historische Geschehnisse sollten schon mindestens 10 Jahre zurück liegen.
5. Die Geschichte darf am jedem beliebigem Ort der Welt spielen. Der Kontinuität halber sollte man aber kurz beschreiben wie er vom Ort des vorigen Kapitels an den neuen gelangte.
[/list]
Ansonsten ist eurer Fantasie keine Grenze gesetzt!
Nachleben
1
Mein Leben?
Ich soll Dir wirklich von meinem Leben erzählen?
Das ist doch stinklangweilig!
Das will doch keiner hören!
Nein wirklich. Es ist das Leben eines Losers. Und zwar eines so großen Losers, dass er es selbst nicht mehr ertragen hat, ein so großer Loser zu sein und Selbstmord beging.
Ja, wirklich. Ich habe dafür gesorgt, dass ich abnippel.
Und selbst dabei war ich noch ein Loser.
Ihr fragt wie? Wie ich es angestellt habe?
Nein, das willst Du doch gar nicht wissen.
Also, ich habe Schlaftabletten genommen.
Ich weiß, das ist kein Heldentod. Wirklich nicht!
Und jetzt? Das Leben geht weiter. In einer anderen Form. Die Existenz ist nach dem Tod nicht zu Ende. Irgendwie existierst Du weiter, nur bist Du keine Materie.
Wir nennen es das Nachleben.
Mein Nachleben ist doch viel interessanter!
Soll ich Dir nicht lieber davon erzählen?
Okay, also ich fange an, an dem Tag, als ich krepiert bin.
2
Ich habe Schlaftabletten genommen. Aber das weißt Du ja schon.
Ich bin eingeschlafen und wollte nie wieder aufwachen. Denkste! Doch es kam ganz anders.
Plötzlich wachte ich auf und wunderte mich. Ich dachte, eigentlich sollte ich doch jetzt im Himmel sein, oder so. Ich setzte mich auf, so als wäre alles in Lot.
Doch etwas stimmte nicht! Mein Körper!
Er fühlte sich anders an! Irgendwie leichter!
Dann schaute ich mich um und entdeckte, dass es mich zweimal gab. Einmal auf dem Bett liegend, seelenruhig schlafend und einmal auf dem Bett sitzend, das andere Selbst betrachtend und dann fragte ich mich: » Verdammt, was ist hier los? «
Stell Dir die Situation leibhaftig vor, wie das ist, wenn Du eigentlich glaubst auf der Bettkante zu sitzen, aber siehst, dass Du trotzdem schlafend im Bett liegst.
Das war so, als würde man in einen Spiegel schauen. Nur realer. Gruseliger.
Ich konnte nicht widerstehen mein anderes Selbst anzufassen, doch dann merkte ich: Es geht nicht.
Meine Hand glitt einfach hindurch. Du hast keine Materie mehr im Nachleben. Kannst nichts mehr berühren.
Du kannst auch durch Wände gehen. Dich in fremde Wohnungen schleichen. Dazu später mehr.
Ich saß also da und starrte mein anderes totes Selbst an und fragte mich, was jetzt los ist. Träumst du das nur oder ist das wirklich?
Und auf einmal sagte einer Hallo zu mir.
» Hallo, mein Name ist Jürgen. «
Und ich schaute auf und sah einen Typen, den du noch nie zuvor in meinem Leben gesehen habe. Noch in Kategorien denkend, die in dieser Form der Existenz keinerlei Relevanz mehr haben, fuhr ich ihn an und schrie: » Wer sind Sie? Wie sind Sie hier hinein gekommen? «
Und er? Er lächelte nur. Bot mir freundlich an mein Führer zu sein. Er sagte, er könne mir all das hier erklären.
Das ist das, was ich hören wollte. Also billigte ich in das Angebot ein.
Und so kam Jürgen in mein Nachleben.
3
Anfangs ist alles schwer zu begreifen. Später auch noch. Aber dann gibt man auf, das alles zu begreifen.
Vor allem, weil es keine Antworten gibt. Keiner, derjenigen die im Nachleben sind, weiß, wie lange es dauert.
Manchmal, hat mir Jürgen erzählt, verschwinden welche von uns. Spurlos. Ob sie in den Himmel gekommen sind oder in die Hölle, weiß keiner. Sie sind einfach fort.
Manche glauben, dass nur jene ins Nachleben kommen, bei denen noch nicht entschieden ist, wo sie hinkommen sollen.
Das ist Blödsinn! Jeder kommt ins Nachleben.
Daher glauben manche, dass sich erst im Nachleben entscheidet, ob Du in Himmel oder Hölle gelangst. Wenn Du mich fragst, gibt es den ganzen Scheiß nicht. Du verschwindest einfach irgendwann, wenn Du keinen Bock mehr hast.
So was wie ein zweiter, endgültiger Tod.
Nee, das kann's auch nicht sein. Ich hatte nie wirklich Bock auf dieses Nachleben. Eigentlich genauso wenig Bock wie auf das richtige Leben.
Das klingt doch alles so, wie aus so’nem Scheiß-Geisterfilm. Ghost – Nachricht von Sam oder so was.
Ja, Mann, da hast Du Recht. Ist im Grunde nicht anders. Nur noch viel krasser. Es gibt viel mehr Typen, die so geisterhaft herum laufen, als in Sam.
Du denkst, du bist alleine? Weit gefehlt. Einer oder eine oder vielleicht auch mehrere sind immer da. Schau dich um. Du siehst sie nicht, aber sie sind da. Sie beobachten, was du machst. Ergötzen sich an Deinem Leben.
Wenn du denkst du, seist alleine: Das bist du nie. Irgendwelche stehen immer um dich herum. Es gibt Typen, die ziehen regelrecht bei dir ein. Vor allem dann, wenn du weiblich und attraktiv bist.
Die stehen zusammen mit dir unter der Dusche, schlafen bei dir im Bett, masturbieren, wenn du masturbierst und geilen sich daran auf. Und spritzen dich an. Du merkst das bloß nicht, weil ihr Sperma für dich immateriell ist, aber die macht das echt an.
Darum sag ich Dir, bums im Leben so oft und so viel du kannst. Im Nachleben ist die Sexualität echt Sch***e. Immer nur selbst Hand anlegen, ist Mist. Find ich zumindest.
Du denkst, dass seien Perverse? Ja, vielleicht sind es Perverse. Aber was will man anderes machen im Nachleben?
Lies weiter und Du gibst mir Recht. Wirst einsehen, dass es keine Perversen sind, sondern einfach nur arme Schweine.
Du musst uns verstehen. Das Nachleben ist echt langweilig. Wie ich Dir schon erklärte, kannst Du nichts mehr anfassen. Nichts hat mehr Materie für Dich, wenn Du erst einmal im Nachleben bist. Nicht einmal die anderen Nachlebenden. Die Freuden sind also beschränkt.
Darum gibt es Typen, die sich einfach irgendeinen Menschen aussuchen und sich an sein Leben hängen, ihn beobachten, sein Leben, seine Freuden und Leiden, seine Hochs und Tiefs teilen. So erfahren sie ihrer Meinung nach noch ein wenig Lebendigkeit.
Vielleicht hast du auch so einen, der dein Leben teilt. Just in diesem Moment, diese Zeilen mit dir liest oder einfach nur da sitzt und Dir zuschaut, wie Du dieses Zeilen liest.
Schau dich um. Er könnte dir gerade über die Schulter schauen.
4
Zurück zur Jürgen.
Ich war anfangs echt froh, einen Führer zu haben. Das war alles so verwirrend.
Du gehst auf die Straße und sie sind noch viel voller, als Du es gewohnt bist. Und plötzlich laufen noch viel mehr Leute herum. Und manche tragen so altmodische Klamotten. Irgendwelche Uniformen aus achtzehnhundertundschlagmichtot, irgendwelche Rüstungen oder Kleider, die aus, was ich für einem Jahr, stammen.
Das sind alles Nachlebende, die noch nicht verschwunden sind.
Da sind sogar noch Neandertaler. Ist schon seltsam. Du hast immer deren Skelette im Museum gesehen und auch mal Reproduktionen, die zeigen sollten, wie die vielleicht mal ausgesehen haben.
Und hier im Nachleben sind die real.
Zufällig war gerade, als ich gestorben bin, eine Ausstellung über Neandertaler, hier im Museum. Jürgen und ich gingen hin.
Normalerweise wäre ich dort nicht hingegangen. Zu teuer. Aber ich muss ja nicht mehr zahlen. Gehe einfach durch die Wand hinein.
Wir gehen auch hinter die Kulissen. Dorthin, wo noch nie zuvor ein Museumsbesucher gewesen ist. Dort, wo sie das ganze Zeug präparieren, damit es ausgestellt werden kann. Wo irgendwelche schlauen Köpfe, die Sachen untersuchen und Vermutungen darüber anstellen, wie es mal gewesen sein könnte.
Da war damals auch so’ne Type, die sich einem Neandertalerskelett gewidmet hatte und es untersuchte.
Das Krasse war, dass um ihn herum lauter Neandertaler standen und ihn beobachteten.
Er hatte neben sich einen Notizblock, auf dem er gelegentlich etwas aufschrieb. Jedes Mal, wenn er das gemacht hatte, las ein Neandertaler vor und die gesamte Sippe lachte laut.
Ich fragte noch so, welche Sprache die Jungs sprechen. Neandertalisch natürlich.
Eine komische Sprache, wenn du mich fragst. Sie setzen alle Wörter zu einem einzigen Verb zusammen. Die gesamte Sprache besteht eigentlich nur aus Verben.
Mit der Zeit habe ich ein paar neandertalische Wörter aufgeschnappt. Shakava heißt »in das/ein Gebäude gehen«. Shapova heißt »aus dem Gebäude kommen«. Ersetzt man das letzte a durch ein oi, heißt das »Ich gehe in das Gebäude« bzw. »Ich komme aus dem Gebäude«.
Die ersten Neantalerworte, die ich je in meinem Leben bzw. Nachleben gehört habe, damals im Museum, waren: »Ipre, tuallavi kalonna. « heißt: » Er meint, Neantertaler seien nur beschränkt fähig zu sprechen. «
Klar, dass das Gelächter unter den Jungs auslöste. Sie konnten sehr wohl sprechen und hatten sogar eine sehr schöne Sprache. Nur eben eine sehr schwierige, fand ich zumindest. Anders eben.
Aber die waren alle schon so lange auf dieser Welt, dass sie sämtliche Sprachen der Welt fließend sprechen konnten.
Stell dir mal vor wie das für diesen Typen ist, der sein gesamtes Leben der Erforschung der Neandertaler widmet. Und wenn er dann abgekratzt ist, kann er sie wahrhaftig sehen. Erfährt, dass all seine Thesen, die in seinem Leben aufgestellt hat, falsch sind.
Das muss voll deprimierend sein.
5
Mit einem Neandertaler wurde ich gut Freund.
Sein neandertalischer Name war Shakadang Ukafenna. Das heißt in etwa so viel wie Der in den Wald geht, um zu jagen.
Wir nannten ihn einfach nur Shaq, wie Shaquille O'Neil.
Es war echt spannend mit ihm zu reden. Er hatte alles miterlebt. Er war bei sämtlichen historischen Ereignissen dabei gewesen.
Und die meisten davon waren anders als das, was in den Geschichtsbüchern steht. Geschichte, wie du sie in der Schule lernst, ist nichts weiter als eine schlechte Rekonstruktion der Tatsachen.
Aber darauf will ich nicht näher eingehen. Sonst würde aus meinem Bericht ein Geschichtsbuch.
Interessant war nur seine These übers Nachleben. Neandertaler kannten keine Religion und auch keinen Gott. Shaq meinte, dass Gott eine Erfindung der Plattgesichter (so nannten sie uns Homo Sapiens) sei, die eine Art Schutz sei, damit sie sich nicht gegenseitig die Schädel einschlagen. Denn gebe es keinen Gott in ihrer Welt, würden sie sich ständig darum streiten, wer von ihnen der Mächtigste ist.
So war seine These vom Nachleben atheistischer Natur. Kommt mir sehr entgegen.
Gebe es einen Gott, würde er uns nicht in so ein beschissenes Nachleben schicken.
Er meinte, dass man so lange im Nachleben sei, wie man glaubt, dass man etwas entdecken könne. Und ist man wissbegierig, so kann man viel entdecken. Ist man das nicht, so kann man wenig entdecken und verschwindet irgendwann.
Anders könne man es nicht erklären, dass noch so viele Neandertaler unter den Nachlebenden seien. Neandertaler seien schon immer wissbegierig gewesen.
Ich weiß echt nicht, wie lange ich hier sein will. Am Anfang ist das Nachleben Sch***e deprimierend. Da erfährst du Dinge, die du nicht wissen willst. Plötzlich weißt du, was jeder wirklich von dir dachte. Du stehst hinter den Leuten und hörst, was sie über dich sagen.
Das willst du nicht wirklich wissen. Zumindest nicht mehr, wenn du es hörst.
Da willst du wir kein Wissen aneignen. Doch wenn die erste Zeit erst mal herum ist, dann wird es geil.
Erst einmal!
6
Warum es anfangs so schlimm ist mit dem Wissen, fragst du dich?
Nun, einen Sprung zurück zum ersten Tag. Ich habe den ersten Schock überwunden. Dank Jürgen, der ein guter Führer war.
Er sagt, wir sollten im Zimmer bleiben und ich sollte mir ansehen, was passiert, um mir über die Konsequenzen meiner Tat bewusst zu werden.
Abends kommt meiner Mutter von der Arbeit. Sie klopft. Automatisch antworte ich, aber sie kann mich ja nicht hören. Und mein regloser toter Körper da, kann es nicht.
Da ich nicht antworte, lugt sie hinein. Sie sieht – Korrektur: denkt, dass ich schlafe. Sie stören mich nicht mehr.
Als Nachlebender schläfst du nicht. Und im Dunkeln kannst du sehen. Wie eine Katze!
Es ist so als hätte man einen Restlichtverstärker auf. Man sieht so Infrarot.
Wenn man das erste Mal so im Dunkeln sieht, kommt man sich vor wie Superman. Da wir keine materiellen Dinge mehr machen können, reden wir. Jürgen erzählt mir wie es so ist.
Das ist alles, was wir können: reden und spannen!
Am nächsten Morgen kommt Mutter herein.
Ich hätte schon eine halbe Stunde wach sein sollen.
Sie ruft mich. Ich reagiere nicht.
Sie kommt näher, rüttelt mich. Ich reagiere nicht.
Sie rüttelt fester. Ich reagiere nicht.
Sie sieht auf der Nachtkonsole die Packung mit Schlaftabletten. Von mir strategisch gut platziert, damit auch sofort jeder checkt, was abgeht.
Hat gewirkt, wie es sollte.
Meine Mutter bricht in Tränen aus, rennt aus dem Zimmer, um kurz darauf mit meinem Vater wieder aufzutauchen.
Der bleibt erst einmal cool!
Geht aus dem Zimmer und ruft den Notarzt.
Der ist zehn Minuten später da. Seine Prognose: Tot!
Meine Mutter hat daraufhin einen Nervenzusammenbruch. Mein Vater ist äußerlich cool. Aber ich kenne ihn zu gut. Ich weiß innerlich, ist er auch dem Nervenzusammenbruch nahe.
Ja, Jürgen hatte recht.
Ich musste mir das ansehen, um mir über die Konsequenzen klar zu werden.
Da wurde mir klar, ich hatte Sch***e gebaut.
Ich hatte mein Leben beendet, und das meiner Eltern zerstört.
Ihr Leben war von nun an nicht mehr das gleiche.
Wenn ich heute nach Hause komme, dann ist mein Zimmer noch so eingerichtet, wie an dem Tag, als ich mich umbrachte.
Auf der Erde liegt eine angewichste Ausgabe des Playboys. Wenn eine Mutter putzt hebt sie diese auf, saugt darunter und legt sie wieder an exakt den gleichen Platz.
So als käme ich irgendwann noch mal wieder und würde erwarten, dass der Playboy exakt dort liegt, wo ich ihn zuletzt liegen gelassen haben.
Ich habe meine Mutter stundenlang auf meinem Bett sitzen sehen. Nichts sagend! Ins Leere starrend!
Manchmal holt sie vom Dachboden ein Buch, das ich als kleines Kind sehr mochte und liest daraus vor!
Ab und zu kommt ein psychiatrischer Betreuer vorbei. Sie reden über mich. Er gibt ihr allerlei kluge Ratschläge wie sie sich anderweitig beschäftigen kann.
Doch das will sie nicht. Ihr ganzes Leben dreht sich um mich.
Ich bin tot, aber der Mittelpunkt ihres Lebens.
Zu meinem Grab geht sie nie alleine. Immer nur mit Vater.
Es ist ein Sonntagsritual geworden, den langen Weg zu meinem Grab zu gehen.
7
Da wären wir beim neuen Thema: Mein Grab.
Wollt ihr wissen wie es aussieht?
Daran wie das Grab aussieht, kann man erkennen wie wichtig die Person den Verbliebenen im Leben war.
Ich habe ein schönes Grab. Lauter bunte Blumen sind drauf. Kann sie nicht beim Namen nennen. Bin nicht der Blumentyp.
Aber hübsch sind sie. Und mein Grabstein erst! Edles Teil aus Marmor.
Darauf steht mein voller Name, Geburtstag, Todestag und die Inschrift: Hier ruht unser geliebter [...], der seinen eigenen Weg ins Glück fand.
Der Spruch ist das einzige, was mich daran ein wenig nervt.
Wenn die wüssten, wie das so ist, wenn man tot ist – pardon, nachlebt. Dann hätten sie nicht so eine Sch***e auf den Grabstein gravieren lassen.
Dann würde da jetzt stehen: Na, [...], jetzt hast du dich so richtig in die Sch***e hinein geritten, was?!
Ich werde nie diesen Tag vergessen, als das ausgehobene Loch sah, in dem der Sarg eingelassen wurde, in dem ich lag.
Als jeder sein Häufchen Erde drauf schaufeln durfte, riet mir Jürgen ihnen dabei in die Gesichter zu sehen.
Du kannst sehen, ob die Leute denken, dass sie dich im Himmel wiedersehen werden, oder in der Hölle.
Die meisten sehe ich wohl in der Hölle wieder!
Es ist interessant zu sehen, wer überhaupt gekommen ist.
Meine Ex-Freundin ist mit einem Typen da. Er ist Australier. Hat sie da unten kennen gelernt. Macht 'nen Auslandssemester oder so was da unten. Hat extra den Flug auf sich genommen, um heute hier zu sein.
Ihr Typ ist 'ne Pfeiffe!
Leute, mit denen ich Abi gemacht habe und eigentlich schon lange aus meinem Gedächtnis entfernt habe, sind da.
Großeltern, Onkel und Tanten, Vetter und Kusinen, sowohl bekannte als unbekannte.
Meine Kusine Anne sehe ich wieder. Ist ein heißer Feger geworden. Ist Liebe mit einer Kusine legal?
Wenn ja, hätte ich mit der was angefangen. Zu blöd, dass ich sie erst auf meiner eigenen Beerdigung wiedergesehen habe.
8
Ich bin jetzt vogelfrei. Bahn fahren kostet nichts mehr.
Ich fahre mit der Bahn nach Köln. Anne wohnt in Köln. Jürgen ist dabei, weiß aber nicht, was meine Absicht ist.
In Köln fahren wir weiter mit der U-Bahn in einen Außenbezirk. Jürgen fragt, was ich hier will.
Ich sage es ihm. Ich sage ihm, dass ich meine Kusine heiß finde und meinen Zustand als Nachlebender endlich mal voll auskosten will und sie ein wenig beobachten.
Jügen ist einer von den braven. Der macht das nicht!
Er findet es ekelhaft. Wir treffen uns später am Dom, machen wir aus.
Ich gehe hoch in ihre Wohnung. Sie wohnt in einer WG mit zwei Typen und noch so einer hässlichen Tussi.
Ich gehe in ein Zimmer, da sitzt ein mir gleichgesinnter, das heißt einer, der auch nachlebt. Er fragt höflich, wessen Zimmer ich suche. Ich sage Annes. Dann sei ich hier richtig.
Was er hier mache, frage ich. Hätte ich besser nicht. Das wollte ich nicht hören. Er lebe hier wegen dieses hübschen Mädchens.
Ob er sich auch einen wichst, wenn sie nackt durchs Zimmer läuft, frage ich.
Das ist ihm peinlich. Er errötet. Seine Antwort ist: Nun ja, also eigentlich...ja.
Geil. Ich bin nicht der einzige, der auf meine Kusine scharf ist.
Pass auf sag ich. Du hast das Zimmer, ich hab das Bad. Bin nur ein paar Tage hier. Dann gehe ich wieder.
Dann kannste wieder beides haben. Es wäre ein fairer Deal sagt er dazu.
Es dauert seine Zeit bis sie kommt. Doch dann, wow!
Was ich da alles zu sehen bekomme!
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Tyler Durden
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Nachleben - Der Forum-Fortsetzungsroman
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Antworten #1 am:
20.August 2006, 20:44 »
Ich habe das heute gelesen und fand es gut.
Ich werde evtl. auch mitmachen, komme aber vermutlich erst im September dazu.
Nur schade, dass "Sch***e" immer zensiert wird :cheesy:
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timo
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Nachleben - Der Forum-Fortsetzungsroman
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Antworten #2 am:
22.August 2006, 12:23 »
Zitat von: "Tyler Durden"
Ich habe das heute gelesen und fand es gut.
Ich werde evtl. auch mitmachen, komme aber vermutlich erst im September dazu.
Wow, nach drei Monaten und 17 Tage die erste Reaktion! :cheesy:
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Tyler Durden
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Nachleben - Der Forum-Fortsetzungsroman
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Antworten #3 am:
22.August 2006, 14:53 »
Ich wollte es schon viel viel früher lesen, habe mir damals gedacht: "ein anderes mal". Und wenn man dann hier ins Forum reinguckt und sieht, dass hier keine neuen Beiträge sind, sucht man nicht nach alten und vergisst es ganz schnell. Erst vor ein paar Tagen hatte ich nichts zu tun und habe mir die alten Sachen angesehen und fand diesen Thread wieder :cheesy:
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Chaz
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Antworten #4 am:
20.April 2007, 14:19 »
Habs mir jetzt auch mal durchgelesen und finde es gar nicht mal so schlecht. Nur die Sache, dass man den Namen nicht schreiben darf ist komisch. Vor allem, weil er immer rausgestrichen ist, wenn er erwähnt wird. Wieso eigentlich?
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ch bin Jacks grinsende Rache!
burn
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Antworten #5 am:
20.April 2007, 20:58 »
irgendwie ist das eine mischung aus allen chuck-büchern
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his is your life, good to the last drop
Doesn't get any better than this
This is your life and it's ending one minute at a time
timo
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Antworten #6 am:
18.Mai 2007, 19:30 »
Zitat von: "burn"
irgendwie ist das eine mischung aus allen chuck-büchern
Ist das Kritik oder Kompliment?
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Hodde
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Antworten #7 am:
18.Mai 2007, 20:04 »
Die Idee ist nicht schlecht, die Ausführung grandios
Wohin muss ich denn meinen Teil der Geschichte schicken, damit er hier veröffentlich wird???
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timo
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Nachleben - Der Forum-Fortsetzungsroman
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Antworten #8 am:
18.Mai 2007, 20:08 »
Zitat von: "Hodde"
Die Idee ist nicht schlecht, die Ausführung grandios
Wohin muss ich denn meinen Teil der Geschichte schicken, damit er hier veröffentlich wird???
Veröffentliche ihn einfach in diesem Dikussionsfaden. ;-)
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Hodde
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Nachleben - Der Forum-Fortsetzungsroman
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Antworten #9 am:
18.Mai 2007, 20:32 »
OK, wenn ich soweit bin, werde ich meinen Senf mal dazu geben
Kann nur hoffen, dass euch mein Schreibstil von Geschichten gefällt ^^
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Hodde
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Nachleben - Der Forum-Fortsetzungsroman
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Antworten #10 am:
29.Mai 2007, 18:48 »
Jetzt da, wo ich "der simulant" gelesen habe wird mir so einiges klar
Der Anfang deiner Geschichte klingt sehr sehr nach dem Anfang von der simulant
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timo
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Antworten #11 am:
29.Mai 2007, 20:07 »
Zitat von: "Hodde"
Jetzt da, wo ich "der simulant" gelesen habe wird mir so einiges klar
Der Anfang deiner Geschichte klingt sehr sehr nach dem Anfang von der simulant
Auch hier wieder die Frage: Ist das Kritik oder Kompliment?
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Hodde
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Nachleben - Der Forum-Fortsetzungsroman
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Antworten #12 am:
30.Mai 2007, 13:58 »
Das kannst du als Kompliment auffassen
Hast ja nicht einfach nur "kopiert".... ^^
Bist du eigentlich mal weitergekommen mit der Geschichte?
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timo
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Antworten #13 am:
30.Mai 2007, 15:55 »
Zitat von: "Hodde"
Das kannst du als Kompliment auffassen
Hast ja nicht einfach nur "kopiert".... ^^
Danke.
Zitat von: "Hodde"
Bist du eigentlich mal weitergekommen mit der Geschichte?
Nein, ich habe zu wenig Zeit, um an dieser Geschichte weiter zu arbeiten. Ich arbeite zurzeit an etwas anderem.
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MustrumRidcully
Elder Branson
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Nachleben - Der Forum-Fortsetzungsroman
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Antworten #14 am:
31.Mai 2007, 13:37 »
Weil soviel Feedback hier versammelt ist, dachte ich, ich übersehe einfach die Aufforderung zur Fortsetzung und hinterlasse ebenfalls meine Spuren. Ich habe mich jetzt Schritt für Schritt durch deine Geschichte gelesen und ein paar kleine Verbesserungsvorschläge anzubringen - die meisten Sachen hast du bestimmt selbst schon ausgemerzt, wenn nicht, dann solltest du aufmerksam lesen, und wenn doch, dann können andere ja noch etwas aus den Anmerkungen herausziehen. Wenn sie wollen.
Ich fand die Geschichte an sich relativ schlecht, wenn ich ehrlich bin. Gerade in dem Moment, wo sie Potenzial entwickelt, machst du alles kaputt, und endet im Grunde dort, wo die meisten Geschichten enden würden, die einen Protagonisten zum Gegenstand haben, der "unsichtbar" ist. Außerdem schaffst du es nicht konsequent, entsprechend deiner Erzählung, eine Zeitform durchzuziehen. Das ist ein Problem, was mir schon bei Romanen von Chuck Palahniuk aufgefallen ist; und man kann deine Affinität zu ihm herauslesen, was ebenfalls schade ist, weil du eben auch die Fehler übernimmst, und keinerlei eigenständige sprachlichen Spiele mitrein bringst. Die Sprache an-sich muss ich sagen fand ich ebenfalls nicht ansprechend, bis auf ein paar Stellen. Allerdings weiß ich auch nicht, wie alt du bist, je nachdem, ist es eben okay oder eben nicht; Sprache muss immer progressiv sein. Und ganz wichtig, wenn du schreibst: benutz nicht so viele Lückenfüller; du kannst nicht nur sehr viel kürzer und präziser schreiben, wenn du bestimmte Sachen meidest, sondern auch flüßiger.
Ich hoffe, dass es ein bisschen geholfen hat.
Nachleben
1
Mein Leben?
Ich soll Dir wirklich von meinem Leben erzählen?
Das ist doch stinklangweilig!
Das will doch keiner hören!
--- Schreibt man nicht zwei mal "Doch" hintereinander. Es sieht stilistisch gesehen nicht nur schlecht aus, sondern wirkt auch infantil.
Nein wirklich. Es ist das Leben eines Losers. Und zwar eines so großen Losers, dass er es selbst nicht mehr ertragen hat, ein so großer Loser zu sein und Selbstmord beging.
--- Sollte man bei aller Heldenverehrung nicht zu sehr abkupfern.
Ja, wirklich. Ich habe dafür gesorgt, dass ich abnippel.
Und selbst dabei war ich noch ein Loser.
--- Sehe ich hier sprachlich keinerlei Innovation. Sowas kann jeder bringen. Und "abnippeln" ist ein Begriff, der zwar selten verwendet wird, aber frag dich mal weshalb. Er passt einfach meistens nicht. Würde ich umschreiben. Im Notfall mit einer kompletten Umstellung des ersten Teils.
Ihr fragt wie? Wie ich es angestellt habe?
Nein, das willst Du doch gar nicht wissen.
Also, ich habe Schlaftabletten genommen.
--- Erst sprichst du dein Publikum im Singular an und dann im Plural um schließlich wieder ins Singular zurückzufallen. Du mußt dich entscheiden. Beides geht nicht; wäre ich Lektor würde ich es ab diesem Punkt in den Müll werfen und dir den Vordruck für die Ablehnung zukommen lassen. Das klingt hart, aber es ist so, sorry.
Ich weiß, das ist kein Heldentod. Wirklich nicht!
Und jetzt? Das Leben geht weiter. In einer anderen Form. Die Existenz ist nach dem Tod nicht zu Ende. Irgendwie existierst Du weiter, nur bist Du keine Materie.
--- (...) nur HAST du keine Materie.
Wir nennen es das Nachleben.
Mein Nachleben ist doch viel interessanter!
--- Und wieder "Doch" trenn dich mal davon.
Soll ich Dir nicht lieber davon erzählen?
Okay, also ich fange an, an dem Tag, als ich krepiert bin.
--- Der zweite Satz klingt nach einer schlechten Übersetzung. Deutsch ist doch deine Muttersprache, oder? Da kannst du sicher mehr reißen.
2
Ich habe Schlaftabletten genommen. Aber das weißt Du ja schon.
Ich bin eingeschlafen und wollte nie wieder aufwachen. Denkste! Doch es kam ganz anders.
--- Kann man hier zwar geteilter Meinung sein, finde ich aber trotzdem das "Denkste" irgendwie vom Stil her verfehlt ist. Wäre es ein Dialog, dann wäre es okay, aber so ist es deplatziert, weil es nicht zum Rest passen will, es fügt sich nicht ein.
Plötzlich wachte ich auf und wunderte mich. Ich dachte, eigentlich sollte ich doch jetzt im Himmel sein, oder so. Ich setzte mich auf, so als wäre alles in Lot.
--- (...) IM Lot.
Doch etwas stimmte nicht! Mein Körper!
Er fühlte sich anders an! Irgendwie leichter!
--- Manchmal ist es besser, wenn man Sachen in einem Satz unterbringt: "Mein Körper fühlte sich anders an, irgendwie leichter." So liest es sich wesentlich flüßiger.
Dann schaute ich mich um und entdeckte, dass es mich zweimal gab. Einmal auf dem Bett liegend, seelenruhig schlafend und einmal auf dem Bett sitzend, das andere Selbst betrachtend und dann fragte ich mich: » Verdammt, was ist hier los? «
--- "Ich schaute mich um und bemerkte, dass es mich zweimal gab - einmal auf dem Bett liegend und seelenruhig schlafend und dann (noch) einmal daneben sitzend, das andere Selbst betrachtend. »Verdammt, was ist hier los?« schoß es mir (dann) durch den Kopf."
Stell Dir die Situation leibhaftig vor, wie das ist, wenn Du eigentlich glaubst auf der Bettkante zu sitzen, aber siehst, dass Du trotzdem schlafend im Bett liegst.
--- "Stell dir das vor. Du sitzt auf der Bettkante und siehst dich trotzdem schlafend im Bett liegen."
Das war so, als würde man in einen Spiegel schauen. Nur realer. Gruseliger.
--- Wie kann etwas denn realer sein als in den Spiegel zu schauen, das heißt wie kann eine Reflexion surrealer wirken als schließlich das zweite Selbst im Bett? Während man bei dem einen weiß, was es ist, weiß man es beim anderen nicht. Der Gedanke ist nicht besonders ausgereift. Nett, aber nicht ausgereift.
Ich konnte nicht widerstehen mein anderes Selbst anzufassen, doch dann merkte ich: Es geht nicht.
Meine Hand glitt einfach hindurch. Du hast keine Materie mehr im Nachleben. Kannst nichts mehr berühren.
Du kannst auch durch Wände gehen. Dich in fremde Wohnungen schleichen. Dazu später mehr.
--- "Ich konnte nicht widerstehen und versuchte mein anderes Selbst anzufassen, aber meine Hand glitt hindurch."
Ich saß also da und starrte mein anderes totes Selbst an und fragte mich, was jetzt los ist. Träumst du das nur oder ist das wirklich?
--- "Ich saß da, starrte auf mein totes Selbst, und fragte mich was los SEI. Träumst du das nur oder ist das die Realität?"
Und auf einmal sagte einer Hallo zu mir.
» Hallo, mein Name ist Jürgen. «
Und ich schaute auf und sah einen Typen, den du noch nie zuvor in meinem Leben gesehen habe.
--- "Plötzlich sagte eine Stimme Hallo. Ich fuhr hoch und sah einen Typen, den ich noch nie zuvor gesehen hatte."
Noch in Kategorien denkend, die in dieser Form der Existenz keinerlei Relevanz mehr haben, fuhr ich ihn an und schrie: » Wer sind Sie? Wie sind Sie hier hinein gekommen? «
Und er? Er lächelte nur. Bot mir freundlich an mein Führer zu sein. Er sagte, er könne mir all das hier erklären.
Das ist das, was ich hören wollte. Also billigte ich in das Angebot ein.
Und so kam Jürgen in mein Nachleben.
--- "Noch in Kategorien denkend, die in dieser Form der Existenz keinerlei Relevanz mehr haben, fuhr ich ihn an und schrie: »Wer sind Sie? Wie sind Sie hier REIN gekommen?«
Er lächelte nur. Bot mir freundlich an mein Führer zu sein. Er sagte, er könne mir als das erklären. Das WAR das, was ich hören wollte. Ich billigte ein. Und so kam Jürgen in mein Nachleben."
3
Anfangs ist alles schwer zu begreifen. Später auch noch. Aber dann gibt man auf, das alles zu begreifen.
Vor allem, weil es keine Antworten gibt. Keiner, derjenigen die im Nachleben sind, weiß, wie lange es dauert.
Manchmal, hat mir Jürgen erzählt, verschwinden welche von uns. Spurlos. Ob sie in den Himmel gekommen sind oder in die Hölle, weiß keiner. Sie sind einfach fort.
Manche glauben, dass nur jene ins Nachleben kommen, bei denen noch nicht entschieden ist, wo sie hinkommen sollen.
Das ist Blödsinn! Jeder kommt ins Nachleben.
Daher glauben manche, dass sich erst im Nachleben entscheidet, ob Du in Himmel oder Hölle gelangst. Wenn Du mich fragst, gibt es den ganzen Scheiß nicht. Du verschwindest einfach irgendwann, wenn Du keinen Bock mehr hast.
So was wie ein zweiter, endgültiger Tod.
"Nee, das kann's auch nicht sein. Ich hatte nie wirklich Bock auf dieses Nachleben. Eigentlich genauso wenig Bock wie auf das richtige Leben.
Das klingt doch alles so, wie aus so’nem Scheiß-Geisterfilm. Ghost – Nachricht von Sam oder so was."
--- "Nein, das kanns auch nicht sein. Bock auf ein Nachleben hatte ich nie gehabt. Eigentlich genauso wenig wie das richtige Leben. Das klingt alles wie aus einem Scheiß-Geisterfilm. Ghost Nachricht von Sam oder so."
Ja, Mann, da hast Du Recht. Ist im Grunde nicht anders. Nur noch viel krasser. Es gibt viel mehr Typen, die so geisterhaft herum laufen, als in Sam.
Du denkst, du bist alleine? Weit gefehlt. Einer oder eine oder vielleicht auch mehrere sind immer da. Schau dich um. Du siehst sie nicht, aber sie sind da. Sie beobachten, was du machst. Ergötzen sich an Deinem Leben.
--- Logikfehler?!
Wenn du denkst du, seist alleine: Das bist du nie. Irgendwelche stehen immer um dich herum. Es gibt Typen, die ziehen regelrecht bei dir ein. Vor allem dann, wenn du weiblich und attraktiv bist.
--- "Wenn du, du seist alleine: Du bist es nicht. Irgendwelche stehen immer um dich herum. Es gibt Typen, die ziehen praktisch bei dir ein. Vor allem dann, wenn du attraktiv und weiblich bist."
Die stehen zusammen mit dir unter der Dusche, schlafen bei dir im Bett, masturbieren, wenn du masturbierst und geilen sich daran auf. Und spritzen dich an. Du merkst das bloß nicht, weil ihr Sperma für dich immateriell ist, aber die macht das echt an.
--- "Die stehen mit dir zusammen unter der Duschen, schlafen bei dir im Bett, masturbieren, wenn du masturbierst. Sie ejakulieren auf dich. Du merkst es nicht, weil ihr Sperma für dich immateriell ist, aber sie macht das an."
Darum sag ich Dir, bums im Leben so oft und so viel du kannst. Im Nachleben ist die Sexualität echt Sch***e. Immer nur selbst Hand anlegen, ist Mist. Find ich zumindest.
--- "Deshalb: Bums sooft du kannst. Im Nachleben gibt es nur Autosexualität. Immer nur selbst Handlegen, ist Mist. Finde ich zumindest."
Du denkst, dass seien Perverse? Ja, vielleicht sind es Perverse. Aber was will man anderes machen im Nachleben?
Lies weiter und Du gibst mir Recht. Wirst einsehen, dass es keine Perversen sind, sondern einfach nur arme Schweine.
--- "Vielleicht denkst du, es seien Perverse. Vielleicht sind es Perverse. Aber was will man anderes machen im Nachleben? Du wirst mir Recht geben. Wirst einsehen, dass es keine Perversen sind, sondern einfach nur arme Schweine."
Du musst uns verstehen. Das Nachleben ist echt langweilig. Wie ich Dir schon erklärte, kannst Du nichts mehr anfassen. Nichts hat mehr Materie für Dich, wenn Du erst einmal im Nachleben bist. Nicht einmal die anderen Nachlebenden. Die Freuden sind also beschränkt.
--- 1. Logikfehler: Der Protagonist im Nachleben hat keine Materie/Substanz mehr, weshalb er durch alles hindruchgleitet. 2. "Das Nachleben ist langweilig. Du kannst nicht mehr anfassen, weil es einem Geist eben an Materie fehlt, sagt Jürgen. Selbst durch die anderen im Nachleben gleitest du hindurch. Die Möglichkeiten sind also beschränkt." Ich habe weiter oben schon zwei grobe Veränderungen vorgenommen, hier wollte ich mich allerdings zurückhalten: zwar habe ich Jürgen ins Spiel gebracht und dein Motiv mit der Materie noch einmal aufgegriffen, allerdings kann man dort sicher noch etwas einbauen, damit es realer wirkt.
Darum gibt es Typen, die sich einfach irgendeinen Menschen aussuchen und sich an sein Leben hängen, ihn beobachten, sein Leben, seine Freuden und Leiden, seine Hochs und Tiefs teilen. So erfahren sie ihrer Meinung nach noch ein wenig Lebendigkeit.
Vielleicht hast du auch so einen, der dein Leben teilt. Just in diesem Moment, diese Zeilen mit dir liest oder einfach nur da sitzt und Dir zuschaut, wie Du dieses Zeilen liest.
Schau dich um. Er könnte dir gerade über die Schulter schauen.
4
Zurück zur Jürgen.
Ich war anfangs echt froh, einen Führer zu haben. Das war alles so verwirrend.
--- 1. Einen Führer zu haben war verwirrend?! 2. "Zurück zu Jürgen. Anfangs war ich froh darüber einen Führer zu haben. Alles war verwirrend."
Du gehst auf die Straße und sie sind noch viel voller, als Du es gewohnt bist. Und plötzlich laufen noch viel mehr Leute herum. Und manche tragen so altmodische Klamotten. Irgendwelche Uniformen aus achtzehnhundertundschlagmichtot, irgendwelche Rüstungen oder Kleider, die aus, was ich für einem Jahr, stammen.
--- "Die Straßen sind noch viel voller als du es gewohnt bist. Plötzlich laufen noch viel mehr Leute rum. Manche tragen altmodische Klamotten. Irgendwelche Uniformen von achtzehnhundertdazumal, Rüstungen oder Kleider, die aus, was weiß ich für einem Jahr stammen."
Das sind alles Nachlebende, die noch nicht verschwunden sind.
Da sind sogar noch Neandertaler. Ist schon seltsam. Du hast immer deren Skelette im Museum gesehen und auch mal Reproduktionen, die zeigen sollten, wie die vielleicht mal ausgesehen haben.
Und hier im Nachleben sind die real.
--- "(...) Und hier im Nachleben sind sie real."
Zufällig war gerade, als ich gestorben bin, eine Ausstellung über Neandertaler, hier im Museum. Jürgen und ich gingen hin.
Normalerweise wäre ich dort nicht hingegangen. Zu teuer. Aber ich muss ja nicht mehr zahlen. Gehe einfach durch die Wand hinein.
--- "Als ich gestorben bin, fand zufällig eine Ausstellung über Neandertaler im Museum statt. Jürgen und ich gingen hin. Normalerweise wäre ich nicht hingegangen. Zu teuer. Aber ich muss ja nicht mehr zahlen. Gehe einfach durch die Wand."
Wir gehen auch hinter die Kulissen. Dorthin, wo noch nie zuvor ein Museumsbesucher gewesen ist. Dort, wo sie das ganze Zeug präparieren, damit es ausgestellt werden kann. Wo irgendwelche schlauen Köpfe, die Sachen untersuchen und Vermutungen darüber anstellen, wie es mal gewesen sein könnte.
Da war damals auch so’ne Type, die sich einem Neandertalerskelett gewidmet hatte und es untersuchte.
Das Krasse war, dass um ihn herum lauter Neandertaler standen und ihn beobachteten.
Er hatte neben sich einen Notizblock, auf dem er gelegentlich etwas aufschrieb. Jedes Mal, wenn er das gemacht hatte, las ein Neandertaler vor und die gesamte Sippe lachte laut.
--- Was nun Perfekt oder Präsens? Du musst dich entscheiden.
Ich fragte noch so, welche Sprache die Jungs sprechen. Neandertalisch natürlich.
Eine komische Sprache, wenn du mich fragst. Sie setzen alle Wörter zu einem einzigen Verb zusammen. Die gesamte Sprache besteht eigentlich nur aus Verben.
Mit der Zeit habe ich ein paar neandertalische Wörter aufgeschnappt. Shakava heißt »in das/ein Gebäude gehen«. Shapova heißt »aus dem Gebäude kommen«. Ersetzt man das letzte a durch ein oi, heißt das »Ich gehe in das Gebäude« bzw. »Ich komme aus dem Gebäude«.
Die ersten Neantalerworte, die ich je in meinem Leben bzw. Nachleben gehört habe, damals im Museum, waren: »Ipre, tuallavi kalonna. « heißt: » Er meint, Neantertaler seien nur beschränkt fähig zu sprechen. «
--- keine Ahnung woher du das hast, aber sehr guter und interessanter Einfall! Gefällt mir. Was mir allerdings nicht gefällt, ist, das hier: "Ich fragte noch so, welche Sprache die Jungs sprachen." -> "Ich fragte welche Sprache, die Jungs sprechen" genügt vollkommen. Du hast allgemein das Problem, dass du bei deinen Sätzen nicht direkt auf den Punkt kommst. Außerdem: ich würde oben den Teil streichen, wo der Neandertaler vorliest. Es ist doch ziemlich unwahrscheinlich, dass Neandertaler lesen können, aber auf "neandertalisch" kommunizieren, meinst du nicht? Das macht irgendwie die Atmosphäre kaputt.
Klar, dass das Gelächter unter den Jungs auslöste. Sie konnten sehr wohl sprechen und hatten sogar eine sehr schöne Sprache. Nur eben eine sehr schwierige, fand ich zumindest. Anders eben.
Aber die waren alle schon so lange auf dieser Welt, dass sie sämtliche Sprachen der Welt fließend sprechen konnten.
Stell dir mal vor wie das für diesen Typen ist, der sein gesamtes Leben der Erforschung der Neandertaler widmet. Und wenn er dann abgekratzt ist, kann er sie wahrhaftig sehen. Erfährt, dass all seine Thesen, die in seinem Leben aufgestellt hat, falsch sind.
Das muss voll deprimierend sein.
--- Ja, wie schon gesagt, diesen Punkt würde ich streichen, oder du baust eine enorme Intelligenzzunahme mit ein, die mit dem Nachleben einhergeht.
5
Mit einem Neandertaler wurde ich gut Freund.
Sein neandertalischer Name war Shakadang Ukafenna. Das heißt in etwa so viel wie Der in den Wald geht, um zu jagen.
Wir nannten ihn einfach nur Shaq, wie Shaquille O'Neil.
Es war echt spannend mit ihm zu reden. Er hatte alles miterlebt. Er war bei sämtlichen historischen Ereignissen dabei gewesen.
Und die meisten davon waren anders als das, was in den Geschichtsbüchern steht. Geschichte, wie du sie in der Schule lernst, ist nichts weiter als eine schlechte Rekonstruktion der Tatsachen.
Aber darauf will ich nicht näher eingehen. Sonst würde aus meinem Bericht ein Geschichtsbuch.
--- Ficken! Da hast du gerade verdammt viel Potenzial in den Sand gehauen, mein Lieber. Daraus hätte man eine enorm geile Story schustern können.
Interessant war nur seine These übers Nachleben. Neandertaler kannten keine Religion und auch keinen Gott. Shaq meinte, dass Gott eine Erfindung der Plattgesichter (so nannten sie uns Homo Sapiens) sei, die eine Art Schutz sei, damit sie sich nicht gegenseitig die Schädel einschlagen. Denn gebe es keinen Gott in ihrer Welt, würden sie sich ständig darum streiten, wer von ihnen der Mächtigste ist.
So war seine These vom Nachleben atheistischer Natur. Kommt mir sehr entgegen.
Gebe es einen Gott, würde er uns nicht in so ein beschissenes Nachleben schicken.
--- Der Gedanke wiederum ist trivial und wird von jedem 13jährigem entwickelt. Schade.
Er meinte, dass man so lange im Nachleben sei, wie man glaubt, dass man etwas entdecken könne. Und ist man wissbegierig, so kann man viel entdecken. Ist man das nicht, so kann man wenig entdecken und verschwindet irgendwann.
Anders könne man es nicht erklären, dass noch so viele Neandertaler unter den Nachlebenden seien. Neandertaler seien schon immer wissbegierig gewesen.
Ich weiß echt nicht, wie lange ich hier sein will. Am Anfang ist das Nachleben Sch***e deprimierend. Da erfährst du Dinge, die du nicht wissen willst. Plötzlich weißt du, was jeder wirklich von dir dachte. Du stehst hinter den Leuten und hörst, was sie über dich sagen.
Das willst du nicht wirklich wissen. Zumindest nicht mehr, wenn du es hörst.
Da willst du wir kein Wissen aneignen. Doch wenn die erste Zeit erst mal herum ist, dann wird es geil.
Erst einmal!
---"(...)Da willst du dir kein Wissen aneignen. Aber wenn die erste Zeit rum ist, wird es interessant. Erst einmal." - > "geil" passt einfach nicht, ist deplatziert.
6
Warum es anfangs so schlimm ist mit dem Wissen, fragst du dich?
Nun, einen Sprung zurück zum ersten Tag. Ich habe den ersten Schock überwunden. Dank Jürgen, der ein guter Führer war.
Er sagt, wir sollten im Zimmer bleiben und ich sollte mir ansehen, was passiert, um mir über die Konsequenzen meiner Tat bewusst zu werden.
--- (...) Nun, ein Sprung zurück zum ersten Tag. Ich hatte den ersten Schock überwunden. Dank, Jürgen, der ein guter Führer war. Er sagte, wir wollten im Zeiten bleiben und ich sollte mir ansehen, was passiere, um mir über die Konsequenzen meiner Tat bewusst zu werden."
Abends kommt meiner Mutter von der Arbeit. Sie klopft. Automatisch antworte ich, aber sie kann mich ja nicht hören. Und mein regloser toter Körper da, kann es nicht.
Da ich nicht antworte, lugt sie hinein. Sie sieht – Korrektur: denkt, dass ich schlafe. Sie stören mich nicht mehr.
Als Nachlebender schläfst du nicht. Und im Dunkeln kannst du sehen. Wie eine Katze!
Es ist so als hätte man einen Restlichtverstärker auf. Man sieht so Infrarot.
Wenn man das erste Mal so im Dunkeln sieht, kommt man sich vor wie Superman. Da wir keine materiellen Dinge mehr machen können, reden wir. Jürgen erzählt mir wie es so ist.
Das ist alles, was wir können: reden und spannen!
Am nächsten Morgen kommt Mutter herein.
Ich hätte schon eine halbe Stunde wach sein sollen.
Sie ruft mich. Ich reagiere nicht.
Sie kommt näher, rüttelt mich. Ich reagiere nicht.
Sie rüttelt fester. Ich reagiere nicht.
Sie sieht auf der Nachtkonsole die Packung mit Schlaftabletten. Von mir strategisch gut platziert, damit auch sofort jeder checkt, was abgeht.
Hat gewirkt, wie es sollte.
Meine Mutter bricht in Tränen aus, rennt aus dem Zimmer, um kurz darauf mit meinem Vater wieder aufzutauchen.
Der bleibt erst einmal cool!
Geht aus dem Zimmer und ruft den Notarzt.
Der ist zehn Minuten später da. Seine Prognose: Tot!
Meine Mutter hat daraufhin einen Nervenzusammenbruch. Mein Vater ist äußerlich cool. Aber ich kenne ihn zu gut. Ich weiß innerlich, ist er auch dem Nervenzusammenbruch nahe.
Ja, Jürgen hatte recht.
Ich musste mir das ansehen, um mir über die Konsequenzen klar zu werden.
Da wurde mir klar, ich hatte Sch***e gebaut.
Ich hatte mein Leben beendet, und das meiner Eltern zerstört.
Ihr Leben war von nun an nicht mehr das gleiche.
--- Mäh, wieder: Präsens oder Perfekt?! "Meine Mutter kam abends von der Arbeit und klopfte. Ich antwortete automatisch, aber sie könnte mich ja nicht hören. Und mein toter Körper konnte es ja nicht. Weil ich nicht antwortete, lugte sie rein. Sie sah - korrektur: dachte, dass ich schlafe.
Als Nachlebender schläfst du nicht. Und im Dunkeln kannst du wie eine Katze sehen.
Als hätte man einen Restlichtverstärker auf. Man sieht so Infrarot.
Wie Superman kommt man sich vor, wenn man das Dunkel das erste Mal so sieht. Da wir nichts mehr machen konnten, wofür materialisiert sein müssen, redeten wir. Jürgen erklärte mir, wie es so ist.
Das ist alles, was wir können - reden und spannen.
Meine Mutter kam am nächsten Morgen herein, weil ich schon seit einer halben Stunde wach sein sollte. Sie sprach mich an und rüttelte mich, aber ich reagierte nicht. Dann sah sie auf der Nachtkonsole die Packung mit den Schlaftabletten. Strategisch von mir gut platziert, damit jeder sehen konnte, was los war. Wirkte, wie es sollte. Sie brach in Tränen aus und rannte aus dem Zimmer, um meinen Vater zu holen. Der blieb erstmal gefasst und rief den Notarzt, der zehn Minuten später auftauchte. Seine Diagnose: Tot.
Meine Mutter erlitt daraufhin einen Nervenzusammenbruch. Mein Vater blieb äußerlich gefasst. Aber ich kenne ihn zu gut. Ich weiß, innerlich ist auch er einem Nervenzusammenbruch nahe.
Jawohl, Jürgen hatte recht. Ich musste mir das ansehen, um mir über die Konsequenzen klar zu werden. Ich hatte Sch***e gebaut. Mein Leben hatte ich beendet und das meiner Eltern zerstört. Von nun an war es nicht mehr das selbe."
Wenn ich heute nach Hause komme, dann ist mein Zimmer noch so eingerichtet, wie an dem Tag, als ich mich umbrachte.
Auf der Erde liegt eine angewichste Ausgabe des Playboys. Wenn eine Mutter putzt hebt sie diese auf, saugt darunter und legt sie wieder an exakt den gleichen Platz.
So als käme ich irgendwann noch mal wieder und würde erwarten, dass der Playboy exakt dort liegt, wo ich ihn zuletzt liegen gelassen haben.
Ich habe meine Mutter stundenlang auf meinem Bett sitzen sehen. Nichts sagend! Ins Leere starrend!
Manchmal holt sie vom Dachboden ein Buch, das ich als kleines Kind sehr mochte und liest daraus vor!
Ab und zu kommt ein psychiatrischer Betreuer vorbei. Sie reden über mich. Er gibt ihr allerlei kluge Ratschläge wie sie sich anderweitig beschäftigen kann.
Doch das will sie nicht. Ihr ganzes Leben dreht sich um mich.
Ich bin tot, aber der Mittelpunkt ihres Lebens.
Zu meinem Grab geht sie nie alleine. Immer nur mit Vater.
Es ist ein Sonntagsritual geworden, den langen Weg zu meinem Grab zu gehen.
--- "Wenn ich heute nachhause komme, finde ich mein Zimmer noch immer so eingerichtet vor, wie an dem Tag, als ich mich umbrachte. Die angewichste Ausgabe des Playboys liegt noch immer auf dem Boden. Wenn meine Mutter saugt, hebt sie sie an, fährt mit dem Staubsauger darunter und legt sie exakt so hin, wie sie dort lag. Als käme ich irgendwann wieder und würde erwarten, dass der Playboy dort liegt, wo ich ihn zuletzt hingelegt habe.
Ich habe sie stundenlang auf dem Bett sitzen sehen, nichts sagend und ins Leere starrend. Ein psychatrischer Betreuer kommt hin und wieder vorbei. Sie reden über mich. Er gibt ihr allerlei kluge Ratschläge, wie sich mit etwas anderem zu beschäftigen. Sie will es nicht. Scheinbar dreht sich ihr ganzes Leben um mich.
Ich bin tot, aber der Mittelpunkt ihres Lebens.
Zu meinem Grab geht sie nie alleine. Immer mit Vater. Inzwischen ist es ein Sonntagsritual."
7
Da wären wir beim neuen Thema: Mein Grab.
Wollt ihr wissen wie es aussieht?
Daran wie das Grab aussieht, kann man erkennen wie wichtig die Person den Verbliebenen im Leben war.
Ich habe ein schönes Grab. Lauter bunte Blumen sind drauf. Kann sie nicht beim Namen nennen. Bin nicht der Blumentyp.
Aber hübsch sind sie. Und mein Grabstein erst! Edles Teil aus Marmor.
Darauf steht mein voller Name, Geburtstag, Todestag und die Inschrift: Hier ruht unser geliebter [...], der seinen eigenen Weg ins Glück fand.
Der Spruch ist das einzige, was mich daran ein wenig nervt.
--- "Da wären wir bei einem neuen Thema: Mein Grab.
Wollt ihr wissen, wie es aussieht? Daran wie ein Grab gepflegt wird, kann man erkennen wie wichtig der Verstorbene den Verbliebenen war. Ich habe ein schönes Grab. Lauter Blumen darauf. Kann sie aber nicht beim Namen nennen. Ich habe mich nie für Blumen interessiert. Aber hübsch sind sie. Und der Grabstein erst - ein edles Teil aus Marmor.
Darauf steht mein voller Name, Geburts- und Todestag, die Inschrift lautet:'Hier ruht unser geliebter [...], der seinen eigenen Weg ins Glück fand.' Der Spruch ist einzige, was mich daran ein bisschen nervt."
Wenn die wüssten, wie das so ist, wenn man tot ist – pardon, nachlebt. Dann hätten sie nicht so eine Sch***e auf den Grabstein gravieren lassen.
Dann würde da jetzt stehen: Na, [...], jetzt hast du dich so richtig in die Sch***e hinein geritten, was?!
--- "Wenn die wüssten, wie das ist, wenn man tot ist - pardon: nachlebt, hätten sie nicht so eine Sch***e auf den Grabstein gravieren lassen. Dann würde da jetzt stehen:'Na, [...], jetzt hast du dich so richtig in die Sch***e geritten, was?'" - > Stilistisch nicht sehr schön: Wieso sollten sie das sagen? - Wenn ich es richtig verstanden habe, dann landet sowieso jeder erst einmal im Nachleben, oder? Ist also nicht wirklich sinnschwanger.
Ich werde nie diesen Tag vergessen, als das ausgehobene Loch sah, in dem der Sarg eingelassen wurde, in dem ich lag.
Als jeder sein Häufchen Erde drauf schaufeln durfte, riet mir Jürgen ihnen dabei in die Gesichter zu sehen.
Du kannst sehen, ob die Leute denken, dass sie dich im Himmel wiedersehen werden, oder in der Hölle.
Die meisten sehe ich wohl in der Hölle wieder!
Es ist interessant zu sehen, wer überhaupt gekommen ist.
Meine Ex-Freundin ist mit einem Typen da. Er ist Australier. Hat sie da unten kennen gelernt. Macht 'nen Auslandssemester oder so was da unten. Hat extra den Flug auf sich genommen, um heute hier zu sein.
Ihr Typ ist 'ne Pfeiffe!
--- "Ich werde nie den Tag vergessen, als der Sarg mit meiner Leiche in das ausgehobene Loch hinuntergelassen wurde. Als jeder sein Häufchen Erde drauf schaufeln dürfte, riet mir Jürgen den Leuten in die Gesichter zu sehen. [...] Die meisten sehe ich wohl in der Hölle wieder. Wenn ich da lande. [...] Meine Ex-Freundin ist mit ihrem Stecher da. Er macht ein Auslandssemester in Australien oder so. Hat extra einen Flug auf sich genommen, um hier zu sein."
Leute, mit denen ich Abi gemacht habe und eigentlich schon lange aus meinem Gedächtnis entfernt habe, sind da.
Großeltern, Onkel und Tanten, Vetter und Kusinen, sowohl bekannte als unbekannte.
Meine Kusine Anne sehe ich wieder. Ist ein heißer Feger geworden. Ist Liebe mit einer Kusine legal?
Wenn ja, hätte ich mit der was angefangen. Zu blöd, dass ich sie erst auf meiner eigenen Beerdigung wiedergesehen habe.
8
Ich bin jetzt vogelfrei. Bahn fahren kostet nichts mehr.
Ich fahre mit der Bahn nach Köln. Anne wohnt in Köln. Jürgen ist dabei, weiß aber nicht, was meine Absicht ist.
In Köln fahren wir weiter mit der U-Bahn in einen Außenbezirk. Jürgen fragt, was ich hier will.
Ich sage es ihm. Ich sage ihm, dass ich meine Kusine heiß finde und meinen Zustand als Nachlebender endlich mal voll auskosten will und sie ein wenig beobachten.
Jügen ist einer von den braven. Der macht das nicht!
Er findet es ekelhaft. Wir treffen uns später am Dom, machen wir aus.
Ich gehe hoch in ihre Wohnung. Sie wohnt in einer WG mit zwei Typen und noch so einer hässlichen Tussi.
Ich gehe in ein Zimmer, da sitzt ein mir gleichgesinnter, das heißt einer, der auch nachlebt. Er fragt höflich, wessen Zimmer ich suche. Ich sage Annes. Dann sei ich hier richtig.
Was er hier mache, frage ich. Hätte ich besser nicht. Das wollte ich nicht hören. Er lebe hier wegen dieses hübschen Mädchens.
Ob er sich auch einen wichst, wenn sie nackt durchs Zimmer läuft, frage ich.
Das ist ihm peinlich. Er errötet. Seine Antwort ist: Nun ja, also eigentlich...ja.
Geil. Ich bin nicht der einzige, der auf meine Kusine scharf ist.
Pass auf sag ich. Du hast das Zimmer, ich hab das Bad. Bin nur ein paar Tage hier. Dann gehe ich wieder.
Dann kannste wieder beides haben. Es wäre ein fairer Deal sagt er dazu.
Es dauert seine Zeit bis sie kommt. Doch dann, wow!
Was ich da alles zu sehen bekomme!
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